Jesus lebt

Jesus lebt

Die Donau ist nach rund 1.500 zurückgelegten Kilometern noch immer unser treuer Begleiter. Oft führt der Weg uns direkt am Ufer des inzwischen breiten Flusses entlang. Aber je weiter wir voranschreiten, desto häufiger verlässt der Radweg die Donau zugunsten von mehr oder weniger gut beschaffenen Straßen. Stets in der brütenden Hitze Südosteuropas, die seit bald zwei Wochen gnadenlos auf uns einwirkt.

Auf unserem Weg an die ungarische Grenze treffen wir Michael, einen Radreisenden aus Trier. Er fährt auf uns zu, während wir uns an einem der zahlreichen Straßenbrunnen in Ungarn erfrischen. Nach einen regen Austausch über Verlauf uns Ziel unserer Reise beschließen wir kurzerhand, einige Tage zusammen zu radeln.

Der erste gemeinsame Tag unserer Dreiergruppe verläuft hervorragend. Wir rasten gemeinsam bei Pivo, (ungarischen für Bier), kaufen gemeinsam ein und schlagen am Abend unser Nachtlager an der Donau auf.

Der kommende Morgen begrüßt der neue Tag uns direkt mit einem starken Gewitter. Eine Stunde kauern wir in der Frühe in unseren Zelten und warten auf ein Nachlassen des gießenden Regens. Um 7 Uhr lässt der Regen endlich nach. Die Zelte, die Fahrräder, alles ist klatschnass. Die Sonne zeigt sich an diesem morgen leider nicht, sodass wir unsere triefenden Zelte einpacken und starten, in der Hoffnung schnell die ersten Sonnenstrahlen zu finden.

Das Wetter wendet sich glücklicherweise nach den ersten Kilometern und die dicken Wolken verziehen sich. Die Sonne knallt wieder auf uns und die nasse Landschaft herab. Eine drückende Schwüle macht sich breit. Die feuchte, heiße Luft bremst uns aus. An jedem Straßenbrunnen machen wir Halt und erfrischen uns ausgiebig.

In den Nachmittagsstunden ziehen erneut dunkle Wolken auf. Zunächst fallen dicke Wassertropfen vom Himmel, dann zieht ein starker Sturm auf. Wir finden einen Unterstand, eine Art Bauernhof. Jemand winkt uns, wir sollen doch kommen und uns unterstellen. Eine freundliche Dame, die hier mit ihren Tieren lebt, bietet uns ein Dach über dem Kopf, um den Regenschauer zu überstehen. Die Frau bittet uns, in ihrer Hütte Platz zu nehmen. Sie selbst läuft zunächst noch wild mit einem großen Regenschirm durch den Regen über ihren Hof. Wir sehen nicht genau was sie macht.

Nach einigen Minuten kommt sie zu uns. Sie spricht ein wenig englisch, es reicht, um sich mit uns zu verständigen. Eva ist ihr Name. Sie erzählt uns, sie sammle Wasser wenn es regnet, da es hier sehr trocken sei. Der Regenschauer sei eine Art Geschenk des Himmels für sie. Nach diesem Satz nimmt die Konversation eine ungeahnte Wende. Eva erzählt uns von ihrem Glaube an Jesus und ihrer Überzeugung, dass Jesus bald zurück auf die Erde kommt. Mit Jesus beginnt die Zeit eines tausendjährigen Reiches unter Jesus. Sie hat ihn genau gesehen, in ihren Träumen. Ein weißes, helles Feuer sei ihr in der Nacht erschienen und hätte die Ankunft des Herren eingeläutet. Eva erzählt uns, sie halte nichts von den religiösen Gemeinschaften. Was zählt, sei nur die Bibel. Wir sollen unbedingt auch in der Bibel lesen und glauben, denn sie würde uns im Himmel gerne wieder treffen.

Der Regen lässt mittlerweile nach und die Sonne kommt zurück. Erneut entsteht durch die Verdunstung der Feuchtigkeit ein schwüles Klima. Wir fragen Eva, ob sie nicht einfach mit uns ans Meer fahren möchte. Sie besitze ein Fahrrad, könne jedoch nicht einfach ihren Hof und ihre Tiere verlassen, sagt sie uns. Doch sie würde so gerne mit uns kommen. Doch leider müssen wir unsere Reise ohne Eva fortsetzen. Für sie war es vermutlich dennoch ein besonderes Erlebnis, uns zu treffen. Sie erzählt uns zum Abschluss, dass sie in den sieben Jahren, in denen sie hier lebt, noch nie Besuch bekommen hat. Und das, obwohl sie unmittelbar an einem relativ stark befahrenen Fernradweg wohnt.

Wir freuen uns, dass wir ihr eine schöne Stunde mit unserem Besuch bescheren konnten. Beim Abschied winkt sie uns herzlich. Wir werden fortan sicherlich für immer einen Platz in ihrem Herzen haben.

8 Gedanken zu „Jesus lebt

  1. Ein wunderbares Erlebnis das
    Jesus lebt. Deine Berichte sind immer seht interessant. Wir wünschen euch noch mehr Erlebnisse und Eindrücke der Menschen und Landschaft.
    Es grüßt euch Frank

  2. Hallo Ihr 2,
    spannende Berichte und Hut ab vor der Leistung. Ich wünsche Euch weiterhin viele schöne Erlebnisse und eine möglichst pannenfreie Reise.
    Viele Grüße,
    Sebastian

  3. Hallo an Euch,
    weiterhin gute Fahrt. die Berichte sind klasse.
    Gut ROLL! durch die nächsten Länder
    wünscht die Fam. Müller von der Firma BAER aus Babenhausen

  4. Lieber Kai,
    ich freue mich immer, wenn ich einen neuen Bericht von Dir lese und wünsche Euch weiterhin gute Fahrt. Danke, dass wir an Eurer Reise (wenn auch nur im Internet) teilnehmen können.
    Manuela

  5. Hallo Kai hallo Georg, euere Erlebnisse sind wirklich beeindruckend und es bestärkt mich bei meinem Vorhaben
    in 2 Jahren. Die „Testreisetage“ und die Zeit mit euch war klasse. Noch eine Spannende Zeit.

  6. Hallo ihr beiden,toll was ihr bisher erlebt habt, eure Reise ist wirklich spannend.Ich wünsche euch weiterhin viel Glück und Pannen freies Fahren und freue mich auf den nächsten Bericht. LG. aus Duisburg

  7. Gerade eben haben wir mit Oma Kiki die aktuellen Reiseberichte mit Spannung gelesen. Wir verfolgen eure Erlebnisse aus dem heißen Rollwald. Der kleine religiöse Exkurs hat euch hoffentlich beflügelt. Seid schön artig damit euch die Engelein auf dem weiteren Weg begleiten und beschützen! Alles Gute Oma Kiki, Heidi und Gerd

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