Mit Highspeed in die Hauptstadt

Mit Highspeed in die Hauptstadt

Nach 10 Tagen in Serbien soll der 13. Juni der Tag sein, an dem wir das Land wieder verlassen. Wir befinden uns morgens etwa 30 Kilometer entfernt von der Grenze nach Mazedonien. Unser Tagesziel heute ist die mazedonische Hauptstadt Skopje.

Wir starten den Tag wieder relativ spät. Bereits vormittags lässt die sengende Sonne das Thermometer auf über 30 Grad steigen. Die Landstraße ist glücklicherweise nicht sehr stark befahren. Nach einer kurzen Pause in einem kleinen Ort, der vermutlich noch nie einen Touristen gesehen hat, erreichen wir um 14 Uhr eine Grenze nach Mazedonien. Die Landstraße dort hin verrät uns bereits, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Die Grenze ist offen und die Straße an den Rändern bewuchert von Büschen. Hier passiert schon lange kein Auto mehr. Wir kehren um, um den richtigen Grenzübergang zu suchen.

Der richtige Grenzübergang ist ausschließlich über die Autobahn erreichbar, wie wir kurze Zeit später herausfinden. Mit dem Fahrrad auf die Autobahn? In Serbien und Mazedonien kein Problem. Der Verkehr in Richtung Grenze ist glücklicherweise mäßig und die gut ausgebaute Autobahn bietet einen breiten Standstreifen, den wir als Fahrspur benutzen können. Die sechs Kilometer Autobahn bis zur Grenze sind der Wahnsinn. Wir fühlen uns, als würden wir fliegen. An uns rasen die Autos vorbei, einige hupen und winken uns. An der Grenzkontrolle selbst sieht uns der Grenzpolizist nur ungläubig an, schüttelt mit dem Kopf und wünscht uns viel Glück.

Mit dem Fahrrad über die Autobahn. In Deutschland wären wir nun im Radio und bald von einem Begrüßungskommitee der Polizei eingesammelt. In Mazedonien interessiert das scheinbar niemanden. Einige Autofahrer winken uns freundlich zu, als sie uns sehen. Wir genießen die Fahrt auf dem hervorragenden Asphalt. Lediglich die Ab- und Auffahrten der Autobahn sind mit dem Fahrrad Nervenkitzel pur, da hier der Seitenstreifen zum Fahrstreifen wird. Übrigens zahlen Fahrradfahrer in Mazedonien keine Autobahnmaut. Wir werden hier einfach durchgewunken.

Nach rund 40 Kilometern auf der Autobahn müssen wir sie leider wieder verlassen. Hier führt uns ein dreispuriger Zubringer hinein nach Skopje. Leider ohne Seitenstreifen, dafür mit wahnsinnig viel Verkehr und nassen Straßen vom Unwetter, das unmittelbar vor unserer Ankunft in der Hauptstadt wütete. Wie wir merken, sind Fahrradfahrer den meisten Autofahrern im Straßenverkehr völlig unbekannt. Sie fahren dicht an uns vorbei, wir spüren den Sog der Luft und müssen unseren Lenker mit aller Kraft festhalten, um nicht zu stürzen. Die vielen Pfützen auf der Straße steuern die Autos scheinbar gezielt an, um uns möglichst nass zu machen. Die letzten Kilometer bis in die Stadt sind anstrengender, als der bisherige Tag insgesamt.

Kurz nachdem wir in Skopje ankommen, werden wir von einem Einheimischen angesprochen. Sein Name ist Bojan, er ist auch begeisterter Radfahrer. Er empfiehlt uns ein Hostel in Skopje, in dem wir unsere Fahrräder sicher verstauen können. Später würde er sich gerne noch mit uns treffen, wenn wir Interesse hätten. Wir nehmen das Angebot an, checken im Hostel ein und treffen uns später, nach dem Abendessen, mit Bojan und einem Freund von ihm auf einen Drink.

Die nächsten drei Tage verbringen wir in Skopje und sehen uns die Stadt an. Die wenigen Tage Pause vom Radfahren tun uns gut und wir machen viele nette Bekanntschaften. In einem deutschen Buchladen in Skopje treffen wir Detlev Schlott, ein Deutscher, der uns einiges über das Land und die Stadt erzählt. Zum Abschied schenkt er uns ein Wörterbuch für Mazedonisch – Deutsch.

Auch im Hostel machen wir viele nette Bekanntschaften. Mit Igor vom Empfang tausche ich mich über Deutschland und Mazedonien aus, mit Toni und Anastasia haben wir einen tollen Abend beim Essen und Trinken in Skopje.

Alles in Allem ist Skopje eine interessante Stadt, die durch ihre Mischung aus prunkvollen Gebäuden, die erst vor wenigen Jahren entstanden sind, und kaputten Straßen, Treppen und allem möglichen Sachen auf der Straße ein einmaliges Erlebnis bietet. Eine solche Stadt findet man kein zweites Mal in Europa. Die Leute sind alle sehr nett, allerdings werden sie zu rücksichtslosen Monstern, wenn sie in ihr Auto steigen. Eine sehr interessante Erfahrung. Wir hatten viel Spaß.

Wir wollen Skopje definitiv wieder besuchen.

5 Gedanken zu „Mit Highspeed in die Hauptstadt

  1. Servus Kai, Servus Schorsch,
    ich bin beeindruckt und zugleich etwas neidisch … (so etwas ähnliches hatte ich auch mal vor, habe es aber nie umgesetzt).
    Ich bin sehr gespannt auf Eure weiteren Erlebnisse und wünsche Euch allzeit viel Luft in den Reifen und starke Beine.
    Schorsch, nach Eurer Rückkehr freue ich mich auf ein Bier mit Dir,
    Grüße aus dem Rodgau,
    Kai (de Kollesch von de Mudda)

  2. Bin wieder mal begeistert von den Erlebnissen die ihr habt. Sieht echt gut aus die Stadt Skopje. Lasst euch von den Autofahrern nicht unterkriegen. Noch viel Erfolg ihr beiden. Gruß aus Walsum

  3. Hey ihr zwei,

    ein tolles Abenteuer. Vor allem die Begegnungen.
    Ab und an einen Deutschen zu treffen, der auch noch mal seine Sicht auf den Ort beschreibt ist Gold wert.
    Schön, dass ihr so ein Andenken mitbringt 🙂
    Die Fotos sind immer klasse. Und…
    Ihr seht so glücklich aus!

    Grüße
    Jenny

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